Restriktive und Expansive Geldpolitik – Beispiel Japan

Restriktive und Expansive Geldpolitik

Zuerst muss ich ein wenig ausholen. Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 hat die amerikanische Notenbank FED ein großes Anleihekaufprogramm gestartet, um denn der amerikanischen Wirtschaft unter die Arme zu greifen und den Kollaps des Finanzsystems zu verhindern. Die EZB hat die sogenannte „Dicke Berta“ also auch ein massives Anleihekaufprogramm zur Rettung de Eurozone im Jahr 2011 beschlossen. Die sogenannte expansive Geldpolitik.
In den letzten Monaten wurde vor allem in Amerika der „Fuß vom Gas genommen“ was eben das Anleihekaufprogramm betrifft und es wurden sogar wieder die Zinsen langsam erhöht. In Europa wird aktuell auch geprüft, ob denn ein Anleihekaufprogramm verlängert oder eben demnächst beendet wird. Sollte es zu einer Beendigung zu einem bestimmten Zeitpunkt kommen, so nennt man das vorgehen der FED und der EZB die restriktive Geldpolitik. Die Notenbanken in Amerika sowie in der Eurozone haben dabei einen unterschiedlichen Fokus auf die Entscheidung einer Veränderung der Geldpolitik gesetzt. Die FED beachtet dort stärker die Arbeitslosenzahlen oder eben den Verbraucherindex. Die EZB legt ihren Fokus auf die Inflation und diese sollte in einem Zielbereich von rund 2% sein. Die FED beachtet natürlich auch die Inflation, aber nicht mit dem verstärkten Fokus wie die EZB.

Wie geht es weiter mit der Geldpolitik?

Meine persönliche Meinung ist, dass die FED nicht mehr viel an der Zinsschraube nach oben spielen kann (und wenn, dann nur sehr langsam) und das wir in der Eurozone noch weit weg sind von einer Zinserhöhung. Die Wirtschaft in den USA ist zwar aktuell stark, aber eben noch ein wenig auf wackeligen Beinen, da der aktuelle Präsident sehr lange benötigt um Reformen zu beschließen bzw. überhaupt angehört zu werden. Aber das ist ein anderes Thema. In der Eurozone sind ein paar Länder, allen voran Italien, noch nicht soweit um Zinserhöhungen zu verkraften. Wir sind in der Eurozone auf einem guten Weg, müssen aber noch einige Hindernisse überwinden. Nun zu einem der stärksten Industrieländer der Welt, aber auch zu einem mit der höchsten Verschuldung im Verhältnis zum realen Bruttoinlandsprodukt – Japan – .
Der aktuelle Verschuldungsgrad beträgt 239% zum realen Bruttoinlandsprodukt (Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/152666/umfrage/staatsverschuldung-japans-in-relationzum-bruttoinlandsprodukt-bip/)

Japan ist die höchstverschuldete Nation der Welt

Als zweites kommt Griechenland und auf Platz 5 kommt sogar schon Italien (Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157855/umfrage/laender-mit-der-hoechstenstaatsverschuldung/). Deutschland hat eine Verschuldung von ca. 68% zum realen BIP. Was hat dies mit expansiver und restriktiver Geldpolitik zu tun? Eine Menge! Es gibt viele Zusammenhänge aber ich möchte euch heute einen Punkt näher bringen, der mit der Eurozone vergleichbar ist. Die EZB versucht mit ihrer aktuellen Geldpolitik Inflation zu erzeugen und gleichzeitig den Zins niedrig zu halten. Dies hat zur Folge, dass bei steigender Inflation und niedrig bleibenden Zinsen (Inflation > Zins) sich der Staat oder die Staaten um die Differenz jährlich entschulden kann. Es gibt natürlich noch weitere Punkte, die aber vorerst zu viel wären. Außerdem möchte ich doch noch weitere Beiträge dazu schreiben :-). Das Problem aktuell von beiden Notenbanken, Bank of Japan und EZB ist, dass kaum Inflation erzeugt wird. In Europa allerdings gibt es erste Anzeichen, dass wir in die Zielrichtung von 2% wandern. Japan ist allerdings ganz weit davon entfernt und das obwohl sie schon seit sehr langer Zeit die expansive Geldpolitik umsetzen. Als im Jahr 2012 der Ministerpräsident Shinzo Abe ins Amt kam, wurden später die sogenannten „Abenomics“ beschlossen. Ein in der Größe noch nie bestehendes geldpolitisches Instrument, das endlich Abhilfe schaffen sollte. Nun nach 5 Jahren und etlichen Billionen Yen die in den Wirtschaftskreislauf gepumpt wurden steht immer noch das gleiche Resultat da. KEINE INFLATION. Dazu fällt mir ein schöner Spruch ein der da heißt

„ Man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen müssen sie schon selbst“

Bedeutet in diesem Zusammenhang, das man soviel Geld in den Kreislauf pumpen kann wie man will, Reformen müssen schon selbst geschaffen und umgesetzt werden. Die nicht zustande kommende Inflation hat viele weitere Gründe. Ein aber für mich entscheidender ist das dort herrschende Lohnniveau bzw. dessen Entwicklung. In Japan herrscht eine sehr niedrige Lohnentwicklung. Falls die Inflation dann doch mal 0,5% beträgt, war es in der Vergangenheit so, dass die Lohnentwicklung entweder negativ, also kleiner +0,5% oder eben gleich auf zur Inflation war. Somit kann der Japaner nicht mehr konsumieren, da die niedrige Inflation die noch niedrigere Lohnentwicklung auffrisst oder negiert. Ergebnis—> kein Konsum, keine Inflation

Geldpolitik hat viele Auswirkungen

Nun nochmal zu dem Thema der Entschuldung durch eine steigende Inflation. Da keine Inflation entsteht, kann auch darüber keine Entschuldung für den Staat passieren. Somit müssen viele Reformen verabschiedet und auch konsequent umgesetzt werden. Daran arbeitet die japanische Regierung schon sehr lange. Doch diese von mir geschilderten Probleme sind meiner Meinung nach nur die Spitze des Eisberges. Denn es fängt schon bei der demografischen Entwicklung des Landes an. Falls es so weiter geht werden in Japan bei weitem nicht genügend junge Menschen die alten Menschen ersetzen bzw. in Form von einem Rentensystem ernähren können. Schaut euch hierzu bitte den folgenden Link an. (Quelle: www.berlin-institut.org Online Handbuch zur Demografie). Der demografische Wandel ist in Deutschland leider auch ein Sorgenkind. Mal sehen wie wir diesen meistern.

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