Value Investing in starke Familienunternehmen

Value Investing in starke Familienunternehmen: Geht das bei den gegenwärtigen Preisen?

Mit diesen und anderen spannenden Fragen zum Thema Familienunternehmen und Value Investing beschäftigt sich unser Blog www.koenigsinvestor.de. Wir wollen damit transparent die Erfolge und Misserfolge von Familienunternehmen und Investoren porträtieren. Zwei Fragen stehen bei dem aktuellen Beitrag im Vordergrund:

Was zeichnet starke Familienunternehmen aus?

Familienunternehmen hetzen nicht von Quartalsgewinn zu Quartalsgewinn, sondern denken von Generation zu Generation. Sie verfolgen eine langfristige Strategie und nehmen dafür Investitionen in Kauf, welche sich nicht sofort auszahlen, sondern sich erst in mehreren Jahren als Erfolg erweisen. So trifft man auch bei Familienunternehmen in der Regel auf höhere Forschungs- und Entwicklungsbudgets als bei vergleichbaren Unternehmen. Diese höheren Ausgaben in der Forschung und Entwicklung reduzieren kurzfristig den Gewinn, sorgen jedoch für langfristig höhere Eintrittsbarrieren gegenüber Nachahmern.

Bei einem Familienunternehmen sitzen alle im selben Boot, das heißt die langfristige Ausrichtung von Managementinteressen und Aktionärsinteressen gelingt besser. Familienunternehmen beteiligen sich selten an Übernahmeschlachten zu horrenden Preisen, wodurch die Bilanz besser aufgestellt ist und es leichter gelingt, Krisenzeiten zu überstehen.

Was zeichnet Value Investing aus?

Der Ur-Vater des Value Investings Benjamin Graham hat seine Sicht wie folgt erläutert:

„Ein Investment liegt immer dann vor, wenn nach einer gründlichen Analyse in erster Linie Sicherheit und erst im Anschluss daran eine zufriedenstellende Rendite steht.“

Diese Definition wurde in der Praxis von unterschiedlichsten Value Investoren bestätigt. Vor allem die Aussage von Value Investor Howard Marks spiegelt das Bild mit seinem Rendite-Risiko-Chart (Link: http://www.koenigsinvestor.de/2017/02/risiko-rendite-chart-erkaert.html) nochmal klarer wider:

„Würden riskantere Investments zuverlässig höhere Renditen bringen, dann wären Sie nicht riskanter!“ (Marks (2015): Memo Risk Revisted Again, S.8.).

Welche Faktoren können die Sicherheit eines Investments erhöhen? Der Preis und die Qualität.

Value Investoren achten auf eine klare Unterbewertung des Unternehmens, weil sie so böse Überraschungen vermeiden wollen. Angenommen die hohen Wachstumsraten bei teuren Unternehmen reduzieren sich, so würde dies sofort zu einer Enttäuschung der Markterwartungen führen. Der Kurs des Unternehmens rutscht in den Keller und das kann zu einem nachhaltigen Vermögensverlust führen (siehe DotCom).

Als zweite Komponente ist die Qualität des Investments entscheidend für den langfristigen Erfolg. Das Unternehmen sollte eine finanzielle Stabilität aufweisen und nicht zu viele Jahre den operativen Cashflow benötigen, um die Schulden zu tilgen. Noch besser wäre, wenn das Unternehmen eine Nettoliquidität in der Bilanz besitzt. Diese zusätzlichen Cash-Reserven kann man in Krisenphasen nutzen, um durch Investitionen zum guten Preis seine Marktstellung auszuweiten oder seine Belegschaft weiter zu qualifizieren.

Beispiel Familienunternehmen BIC

Das Familienunternehmen Societe BIC produziert und vertreibt Feuerzeuge, Schreibwaren und Nassrasierer. Die Wurzel des verständlichen Geschäfts reichen bis in das Jahr 1944 zurück. Das Unternehmen gehört in allen Divisionen zu den Marktführern. Insbesondere bei Allzweckfeuerzeugen liegt der Weltmarktanteil bei fast 50 Prozent und ist damit deutlich vor Konkurrenten wie Swedish Match und Flamagas. Feuerzeuge werden zu 2/3 von Rauchern verwendet. Eine verschärfte Gesetzgebung könnte auf die Anzahl der Raucher Einfluss nehmen und den Bedarf an Feuerzeugen reduzieren. Der Rückgang in diesem Segment kann durch die Segmente Nassrasierer und Schreibzeuge mit einem gemeinsamen Umsatzanteil von über 60 Prozent womöglich kompensiert werden. Vorrübergehend kann das Unternehmen hervorragend dank seiner Nettoliquidität und seinem starken Free Cashflow Absatzrückgänge verkraften. Über die letzte Dekade konnte das Unternehmen nachhaltig hohe Margen (EBIT-Marge von 18%) und hohe Renditen auf das investierte Kapital (ROIC 16,4%) erzielen und so Mehrwert für seine Aktionäre schaffen. Größter Ankeraktionär ist die Familie Bich mit rund 43 Prozent am Unternehmen. Sie besitzt einen Stimmanteil von 59,5% und führt das Unternehmen nachhaltig.

Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 ist eine Gewinnwachstumrate von rund 3 Prozent ((15-8,5)/2) über die letzten 7 bis 10 Jahre laut Grahams Wachstumsformel (http://www.koenigsinvestor.de/2017/03/bewertung-von-wachstumsunternehmen-graham.html) eingepreist. Entscheiden Sie, ob diese Wachstumsraten von dem hochwertigen Familienunternehmen übertroffen werden können und somit eine Unterbewertung vorliegt.

Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag von www.koenigsinvestor.de.

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