Wie kann ich mich auf einen Bärenmarkt vorbereiten?

Bullenmarkt vs. Bärenmarkt – Was ist das und wie verhalte ich mich in diesen Phasen als Value Investor?

Ich freue mich wieder sehr darüber, dass ich mit diesem Beitrag eine weitere Leserfrage beantworten darf. In der Frage ging es hauptsächlich um das Verhalten eines Value Investors in einem Bärenmarkt.

Bevor ich allerdings auf das Verhalten eingehen möchte, will ich euch, vor allem den Einsteigern erklären was dies überhaupt ist und wann solche Phasen zuletzt auftraten.

Was ist ein Bullenmarkt?

Der Bullenmarkt ist des Anlegers Liebling, wenn er bereits investiert ist. Der Bullenmarkt zeichnet sich dadurch aus, dass der jeweilige Aktienmarkt oder eben die jeweiligen Indizes um ein gewisses Mindestmaß steigen. Gut ich denke, dass dies dann relativ einfach zu erkennen ist. Es ist ein Markt, an dem der Optimismus überwiegt. Aber ab wann ist es denn laut Definition ein Bullenmarkt oder auch eine „Hausse“  genannt?

Laut Definition ist dies ganz klar festgelegt. Ein Bullenmarkt liegt dann vor, wenn die Kurse eines Index um mehr als 20 Prozent des letzten Tiefs gestiegen sind. Ein einfaches Beispiel soll dies kurz darstellen.

Annahme: Das DAX Tief am 01.01. eines Jahres lag bei 8.000 Punkten. Am Ende des gleichen Jahres steht er bei 10.000 Pkt. Dies ist ein Anstieg von 25%. Somit befinden wir uns in einem Bullenmarkt.

Was ist ein Bärenmarkt?

Der Bärenmarkt hingegen ist, falls man auch dort bereits investiert ist, des Anlegers „Störfaktor“.  Zu dieser Zeit fallen die Kurse um ein vorgegebenes Mindestmaß. Dies ist natürlich für die bereits investierten Anleger nicht schön mit anzusehen, da in diesem Zeitraum die Depots oftmals weniger Wert ausweisen als ursprünglich investiert wurde. Auch hier gibt es wieder eine gängige Definition, ab wann ein Bärenmarkt vorliegt. Diese Phase wird als „Baisse“ bezeichnet. Es ist ein Markt, an dem der Pessimismus die Nase vorn hat.

Laut Definition liegt ein Bärenmarkt vor, wenn ein Markt vom Hoch des Index in einem Zeitraum von mindestens 2 Monaten stärker als 20 Prozent fallen.  Auch hier soll ein einfaches Beispiel dies veranschaulichen.

Annahme: Das „Hoch“ des DAX lag am 01.01. eines Jahres bei 10.000 Punkten. Im Laufe des gleichen Jahres, steht der DAX bei 7.500 Pkt. Das ist ein Abfall von 25 Prozent. Somit befinden wir uns in einem Bärenmarkt.

Bei weniger heftigen „Kursstürzen“ werden andere Begrifflichkeiten verwendet. Das eine ist die Korrektur oder der Crash. Ein Crash kann aber auch zu einem Bärenmarkt werden, sollte dieser eben die oben genannten Kriterien erfüllen. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach einem Crash ein Bärenmarkt entsteht, ist aber höher einzuordnen, als nach einer Korrektur.

Nun ist noch interessant, wann wir denn zuletzt einen Bullen – bzw. einen Bärenmarkt hatten oder haben?

Ich nehme zu dieser Veranschaulichung wieder zwei Charts um die Phasen zu zeigen und es für euch deutlich zu machen. Der erste Chart zeigt uns den DAX im Zeitraum von April 2015 – Oktober 2016. Der zweite Chart zeigt uns den Verlauf des S&P 500 vom Oktober 2011 – heute. Der S&P 500 ist der Index der am meisten Aussagekraft in den USA hat.

Anbei der Chart des DAX für den o.g. Zeitraum:

Beispiel für einen Bärenmarkt

Beispiel für einen Bärenmarkt

 

In dem Zeitraum 04/2015 – 10/2016 befanden wir uns im DAX laut Definition in einem Bärenmarkt, da wir vom Hoch bei rund 12.400 Pkt. Um mehr als 20 Prozent nachgegeben haben. Der tiefste Stand war bei ca. 8.750 Pkt. Dies entspricht also einem Abfall von 29,43 Prozent. Der DAX hat aber, dass muss ich natürlich ergänzen, ab 08/2016 wieder gegen den Bärenmarkt angekämpft, den wir Stand heute überwunden haben.

Das aber noch viel interessantere an den verschiedenen Zeiten an den Börsen ist die Dauer der jeweiligen Bullen – oder Bärenphase. Diese sind nämlich was die Dauer betrifft unterschiedlich ausgeprägt. Der Bärenmarkt dauert an der Wall Street im Schnitt 16 Monate. Sie hat dem Anleger im Schnitt einen Verlust von 35% eingebracht. Es gibt natürlich immer „Ausreiser“ nach oben und unten. Die schlimmste „Baisse“ die es je gab, begann im Juni 1932 nach der wahnsinnig hohen Inflation in den USA. Sie brockte den Anlegern einen Verlust von 86 Prozent ein! In dieser Zeit war die Investmentlegende Benjamin Graham bereits aktiv 🙂

Die nachfolgende Grafik soll euch wie schon beschrieben den S&P 500 zeigen.

Beispiel für einen Bullenmarkt

Beispiel für einen Bullenmarkt

 

In dem Zeitraum von 10/2011 bis heute befinden wir uns in Amerika in einem Bullenmarkt. Der Index ist seit seinem Tief um mehr als 20 Prozent gestiegen. Seit diesem Zeitpunkt ist in Amerika, anders als in Deutschland bei unserem DAX, laut Definition auch kein Bärenmarkt mehr aufgetreten. Der Index ist seit seinem Tief bereits um ca. 118 Prozent gestiegen. Dies bedeutet wenn ich es einfach mal auf die Jahre runterbrechen darf 🙂 einen Gewinn von ca. 21 Prozent p.a.

Ein Bullenmarkt dauert zudem im Durchschnitt an der Wall Street 54 Monate. Also mehr als 3x so lange wie der Bärenmarkt.

De durchschnttliche „Hausse“ bringt dem Anleger einen Gewinn von rund 180 Prozent. Dies ist eine sehr beeindruckende Zahl. Die erfolgreichste Hausse brachte dem Anleger sehr starke 580 Prozent. Diese entstand ab dem Jahr 2000.

So dies nun zu den Erklärungen bzw. zu den Beispielen. Viel wichtiger als die Theorie ist nun die Praxis.

Wie verhalte ich mich in solchen Phasen als erfolgreicher Value Investor?

Nun ja, es sagt sich an der Börse immer so leicht. Es gibt dazu einen bekannten Spruch, den bestimmt schon jeder mal gehört hat. Dieser lautet: „Verluste minimieren und Gewinne laufen lassen“.

Dies ist sicherlich wichtig, aber ist es denn so einfach?

Ich persönlich denke, dass du unabhängig von den jeweiligen Marktphasen als erfolgreicher Value Investor zwingend deine Hausaufgaben machen musst, dann wirst du langfristig automatisch deine richtigen Entscheidungen treffen. Deine Hausaufgaben sind neben dem erkennen von qualitativen und quantitativen Merkmalen eines Unternehmens bzw. deines Investments, dich vor allem selber im Griff zu haben. Das bedeutet, versuche in den jeweiligen Marktphasen richtig zu entscheiden.

Als Beispiel für „Hausaufgaben machen“ habe ich dir meine Analyse zu Novo Nordisk hier verlinkt.

Diese Entscheidungen sehen im Bullenmarkt wie folgt aus. Beachte nicht nur den Kurs deines Investments und versuche NICHT nach einem Gewinn von ca. 15 Prozent zwingend verkaufen zu müssen, da du befürchtest, dass der Kurs wieder fällt. Bleibe weiterhin auf die Zahlen und auf das Management des Unternehmens fokussiert. Falls es in der Vergangenheit jedes Jahr Gewinnsteigerungen geschafft hat und das Management unverändert ist, warum solltest du dann verkaufen? Bleibe weiterhin in dem Unternehmen investiert und du wirst weitere Gewinne einfahren. Der Markt wird dich dafür belohnen. Versuche auch in solchen Zeiten sehr viel Cash auf die Seite zu bringen, um in schwachen Marktphasen deine Unternehmen billig kaufen zu können. Eines ist weiterhin sehr wichtig. Kaufe nicht einfach ein Unternehmen, nur weil du Angst hast, dass dir der Kurs „weglaufen“ könnte. Schaue nicht nur auf den Kurs. Versuche anhand deiner Hausaufgaben zu bewerten, ob das Unternehmen mit dem aktuellen Kurs zu teuer ist oder eben nicht. Bleibe dennoch fokussiert auf die Gesamtstimmung des Marktes. Falls alle zu euphorisch sind und du tatsächlich überlegst deines Investments zu veräußern, da du bereits ein Auge auf ein neues Unternehmen geworfen hast, dann sei vorsichtig. In solchen Phasen kann es sich anbieten zu verkaufen. Denn sei VORSICHTIG wenn jeder schreit KAUFEN. Aber sei GIERIG wenn jeder schreit VERKAUFEN!

Dies bringt mich gleich zu DEINEM RICHTIGEN VERHALTEN in den schwachen Börsenphasen. Dort ist zumeist die Stimmung sehr gedrückt oder vielleicht sogar panisch. Falls du noch nicht investiert bist, kann ich dir nur den Rat geben: Sei GIERIG und versuche dein Unternehmen für (in Bildern gesprochen) 0,30 EUR zu kaufen, obwohl es eigentlich 1 EUR Wert ist. Versuche dann sogar dein oder deine Unternehmen konzentriert zu kaufen. Langfristig wirst du dabei der Gewinner sein. Falls du bereits investiert bist, kann ich nur sagen: Werde NCHT emotional und „schmeiße“ dein Unternehmen für einen viel zu günstigen Preis auf den Markt. Versuche sogar, falls du von dem Unternehmen überzeugt bist und es mehr Wert ist als aktuell, nochmals nachzukaufen und freue dich über die Möglichkeit! Der Markt hat dir somit ermöglicht dein tolles Unternehmen nochmals günstiger zu bekommen! Voraussetzung ist natürlich, dass du in der Baisse nun ordentlich Cash hast (welches du in der Hausse aufgebaut hast) und somit kräftig einkaufen kannst. Natürlich ist es dort wahnsinnig wichtig, die quantitativen Unternehmenszahlen und die Qualität des Managements einschätzen zu können. Versuche für die Qualität des Managements die sogenannte Eigenkapitalrendite zu begutachten. Laut Warren Buffett ist diese Kennziffer eine verlässliche, wenn man das Management bewerten möchte. Eine hohe Eigenkapitalrendite deutet ein gutes Management an. Die quantitativen Kennzahlen sind z.B. das KGV, das KBV, das KCV, die Eigenkapitalquote und vieles mehr.

Falls du für Schwierigkeiten in der Erkennung der o.g. Kennzahlen hast, dann schau dir doch meinen wöchentlichen Börsenbrief an. Dort stelle ich dir zu vielen Unternehmen ausführliche Analysen bereit. Des weiteren freut es mich natürlich sehr, wenn du dir auch meine Videos und mein Buch anschaust. Ich möchte dich zu einem erfolgreichen Value Investor machen und dich auf deinen Weg in dein finanzielle Freiheit begleiten. Bis dahin kann ich euch nur weiterhin viel Erfolg bei der Umsetzung wünschen.

Ich will mir einen Börsenbrief vorab einfach mal ansehen

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