Autobahn Privatisierung, Pleite, Risiken und Rendite

Autobahn Privatisierung, Pleite, Risiken und Rendite

Die Privatisierung von Autobahnen ist durch die anhaltende Niedrigzinsphase ein beliebtes Mittel bei institutionellen Anlegern um eine gewisse Rendite zu erwirtschaften. Als Alternative oder Vergleichszinssatz für den „risikolosen Zins“ gilt grundsätzlich die 10-jährige Bundesanleihe. Die aktuelle Verzinsung dieser Anleihe liegt aktuell jedoch bei unter einem Prozent. Unter Beachtung einer Inflation von circa 1,5 Prozent verliert man hier faktisch Geld, täglich!

Da institutionelle Anleger ständig neue Gelder anlegen müssen (langjährige Versicherungsprodukte spülen Monat für Monat neues Geld in die Kassen), kann man in diesem Bereich von einem gewissen Anlagenotstand sprechen. Immobilien und Aktienmarkt gelten allgemein als teuer, bzw. überbewertet und Zinsen gibt es quasi keine mehr. Vielerorts werden Privatanleger bereits zu sogenannten Strafzinsen verdonnert.

Ein Investment in öffentliche Infrastrukturprogramme wie z. B. Autobahnen erscheinen grundsätzlich als tolle Alternative. Das Konzept dahinter ist einfach. Der private Betreiber der Autobahn verpflichtet sich, die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen und erhält dadurch Einnahmen in Form von Maut. Langfristig waren hier (seitens der institutionellen Anleger) eine gewisse Überrendite im Vergleich zu Bundesanleihen, Aktien oder anderen Wertpapieren erwartet worden.

Ich persönlich war ein „großer Freund“ dieser Finanzierungsform, da es auf den ersten Blick eine Win-Win Situation für alle Beteiligten ist. Der Staat wird von den Infrastrukturaufgaben entbunden (ich bin ein großer Gegner von staatlichen Einflüssen). Dies ist zwar seine Aufgabe. Jedoch ist die Ineffizienz der Erledigung dieser Aufgaben bemerkenswert. Fakt ist, dass private Investoren die Verbreiterung der Fahrspuren bei der Autobahn A5 von zwei auf drei Fahrspuren je Richtung in Rekordzeit erledigt haben. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.

Leider scheint jetzt auch diese alternative Investitionsart auf der Kippe zu stehen. Die Einnahmen entwickeln sich nicht wie vorhergesagt. Die Betreiber drohen bereits mit Klagen gegen den deutschen Staat. Ein langer Rechtsstreit scheint aktuell durchaus wahrscheinlich. Die Konsequenz wird jedoch sein, dass institutionelle Anleger diese Art der Investments (bei ausbleibendem Erfolg) nicht mehr nutzen können. Der Geldanlagedruck bleibt jedoch hoch und so werden neu vereinnahmte Prämien der Anleger wieder den Weg in bisherige Anlageklassen (Assets) fließen. Dies kann dazu führen, dass bereits teure Anlageklassen noch teurer werden. Man kann auch von einer weiteren Preisblasenbildung sprechen. Ich persönlich hoffe aktuell jedoch noch auf einen erfolgreichen Ausgang dieser Investitionen.

Die „Zeit“ hat einen sehr lesenswerten Artikel dazu geschrieben: https://www.zeit.de/wirtschaft/film/2017-08/autobahnen-privatisierung-einsparungen-staat

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