Goodwill – Fluch oder Segen?

Goodwill wird in Deutschland als Geschäfts- oder Firmenwert bezeichnet. Er entsteht grundsätzlich bei Firmenübernahmen oder in dem die eigene Firma höher bewertet wird. In diesem Beitrag möchten wir auf die Besonderheiten des Goodwills bei der Aktien- und Unternehmensanalyse eingehen. Oftmals bestehen große Abschreibungspotentiale bei der Entstehung von Geschäftswerten. Ein Unternehmen kann augenscheinlich günstig bewertet sein, obwohl im nächsten Moment eine massive Abschreibung des Firmenwerts passieren kann. Dies führt häufig zu bösen Überraschungen und fallenden Aktienkursen (aus vermeintlich heiterem Himmel).

Ein Goodwill kann grundsätzlich auch werthaltig sein

Hinter dem Goodwill verstecken sich oftmals:

  • Kundenpotentiale
  • Marktanteile
  • Patente und
  • Gewinnaussichten.

Ob der Goodwill werthaltig ist, wird einmal pro Jahr mit dem sogenannten Impairment Test geprüft. Dabei wird durch eine Cash Flow Betrachtung die Nachhaltigkeit der Erträge geprüft. Da es jedoch bei jeder Cash Flow Betrachtung hohe Bewertungsspielräume gibt (wie in diesem Beitrag erklärt), kann es jederzeit zu plötzlichen Abschreibungen kommen.

Tolle Unternehmen besitzen viel Cash, welches wir als Kassenbestände, Wertpapiere und kurzfristige Forderungen zusammenfassen. Apple und andere Techfirmen besitzen hier Kennzahlen von mehr als 100 Prozent. Dies bedeutet, dass Apple all seine Schulden (kurzfristig und langfristig) allein mit seinem Cash zahlen kann. Ein unglaubliches Zeichen von Stärke!

Zudem werden wir weiterhin eine Goodwill Betrachtung vornehmen. Goodwill entsteht, wenn man andere Firmen übernimmt und dabei mehr als den Buchwert zahlt. Es ist quasi der Teil, den der Käufer bereit ist mehr zu zahlen, als in den Büchern (Bilanzen) hinterlegt ist.

Grundsätzlich ist eine Wertung hinsichtlich der Nachhaltigkeit von Goodwill nur schwer möglich. Es ist sogar möglich, dass ein hoher Goodwill gezahlt wurde und die Übernahme trotzdem als günstig betrachtet werden kann.

Eine pauschale Aussage hinsichtlich der Werthaltigkeit von Firmen- und Geschäftswerten kann man leider nicht treffen.

Wir haben jedoch in der Vergangenheit häufig beobachtet, dass übermäßige Goodwill Anteile (im Verhältnis zur Bilanzsumme) über einen gewissen Zeitraum abgeschrieben werden (oder auch sehr abrupt auf einmal). Hierzu muss man wissen, dass der Goodwill nicht „Cash-wirksam“ abgebaut wird. Der Goodwill-Abbau führt zu Verlusten – allerdings nicht zu einer Zu- oder Abnahme von Zahlungsmitteln. Das Eigenkapital muss im Fall der Abschreibung um den Betrag der „Goodwill Reduzierung“ reduziert werden.

Hohe Abschreibungen führen häufig zu hohen Verlusten (siehe z. B. Teva Pharmaceutical). Hohe Verluste führen häufig zu fallenden Börsenkursen – und so schließt sich der Kreis.

Man kann leider auch nicht zu 100 Prozent sagen, dass hohe Goodwills per se schlecht sind. Coca-Cola und andere Markenunternehmen haben traditionell hohe Goodwills. Daher muss diese Verhältniskennzahl immer im Vergleich zu Peer-Group betrachtet werden. Goodwills von 50 Prozent bei reinen Industrieunternehmen sind jedoch entschieden zu hoch.

Empfehlungen für Aktionäre:

  • Unternehmen mit hoher Goodwill Abschreibung meiden
  • Unternehmen mit hohen Goodwill Anteil an Bilanz meiden
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