Notstand bei Bausparkassen trotz Bauboom

Bausparkassen – Viele leiden Not

Bereits letzte Woche habe ich einen interessanten Beitrag in der Süddeutschen Zeitung gelesen. Bemerkenswert an dem Artikel ist aus meiner Sicht die Unbekümmertheit, die ich zu diesem wirklich brisanten Thema (subjektiv) war nehme. Wenn der Bankenrettungsfonds eine ähnliche Entwicklung aufzeigen würde, wie der von dem Bausparkassenfonds, dann weiß ich genau, was mit den Börsen passieren würde. Wie Banken haben auch Bausparkassen einen sogenannten Notfallfonds. Dieser wird in „guten Zeiten“ bespart um in „schlechten Zeiten“ eine Unterstützung zu sein. Im Bewusstsein dessen, dass aktuell ein regelrechter Bauboom herrscht, könnte man jetzt davon ausgehen, dass es aktuell goldene Zeiten für Bausparkassen sind. Viele brauchen Kapital um die eigenen Vier Wände zu finanzieren (was ja der eigentliche Zweck des Bausparens ist).

Der “Fonds zur bauspartechnischen Absicherung” (kurz: FtbA) hatte in 2014 noch Mittel in Höhe von 2,2 Milliarden Euro. Ende 2016 lag dieser Wert bereits bei nur noch 1,3 Milliarden Euro. Die Bausparkassen haben also fast die Hälfte der Notfallmittel bereits abgerufen. Diese Zahlen spiegeln auch die Entwicklung bei den Bausparkassen wieder. Anfang des Jahrtausends gab es noch knapp 35 Bausparkassen in Deutschland. Ende 2016 waren es nur noch rund 20, wie die FAZ berichtet. Auch die Anzahl der vermittelten Verträge ging leicht zurück. Dennoch wurden in 2016 noch über 28 Millionen Bausparverträge neu abgeschlossen.

Warum geht es den Bausparkassen schlecht?

Der Grund für die Schieflage liegt am aktuellen Zinsniveau der Europäischen Zentralbank. Die Bausparkassen haben viele hochverzinsliche Altverträge, die sie bedienen müssen. Es gab bereits Kündigungswellen der Institute gegen aufgezahlte Altverträge mit hohen Guthabens Zinsen. Dennoch reicht es nicht aus, um geringen Zinseinnahmen auf der anderen Seite zu finanzieren. Aktuelle Bausparverträge haben geringe Darlehenszinsen. Die Einnahmen sind also niedrig, wohingegen die Ausgaben weiterhin hoch sind. Ein absolut giftiger Cocktail aus meiner Sicht.

Anbetracht der weiterhin günstigen Zinsen und der bereits großen Entnahme beim Sicherungsfonds der Bausparkassen werden wir hier wohl noch einige Pleiten und Übernahmen sehen. Für mich bleibt jedoch der fade Beigeschmack der weiterhin vorherrschenden Sorglosigkeit vieler, hinsichtlich unserer finanziellen Destabilisierung seitens der EZB und den anhaltenden Niedrigzinsen in Europa. Irgendwann wird es wieder krachen. Wenn bis dahin die Zinsen nicht wieder einigermaßen auf einem akzeptablen Niveau sind, spricht vieles für eine erneute Währungsreform.

 

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