Ist die Riester Rente sinnvoll? Berechnung 2018

Als ich kürzlich auf meinem Sofa saß und in meinem Smartphone stöberte, um mir die Zeit in meiner Pause zu vertreiben, bin ich auf eine Sequenz aus dem letzten Wahljahr unserer Bundesregierung gestoßen. Dort wurde unsere Kanzlerin in einer Frage und Antwortrunde von einer Arbeiterin im Bereich der Reinigung ziemlich in die Mangel genommen bzw. sogar fast schon ein wenig blamiert. Heute frage ich mich daher, ob meine Riester Rente sinnvoll ist?

Es ging darum, dass die Frau ihr ganzes Leben hart gearbeitet hat, um dann ab dem Renteneintritt wahrscheinlich kaum noch von der Rente leben zu können. Die Dame wollte von unserer Kanzlerin wissen, was Sie denn gegen die niedrige Rente für Leute wie Sie bzw. für alle Menschen die später einmal in Rente gehen, unternehmen wolle. Nach längerem hin und her und ohne klare Antwort, kam unsere Kanzlerin mit der Frage, ob Sie denn die Altersvorsorge in Form von Riester in Anspruch nehme. Die Reaktion der Dame und des Publikums gab mir sehr zu denken. In diesem Moment saß die Dame fast nur noch kopfschüttelnd dort und in ihrem Gesicht war der Ausdruck abzulesen nach dem Motto „Ist das jetzt Ihr Ernst?“. Ich konnte mich an die Szene sehr gut erinnern, da ich diese Show damals ebenfalls verfolgt hatte. Es geriet bei mir Vergessenheit – bis jetzt.

Anhand dessen habe ich mir die Mühe gemacht und geprüft, ob die Riester Rente sinnvoll ist.

Riester Rente sinnvoll? Es kommt drauf an 😉

 

Cleverer Vermögensaufbau mit Aktien

Cleverer Vermögensaufbau mit Aktien ist sinnvoller als so mancher Riester Vertrag!

Ich habe den Riester genauer begutachtet. Mit all seinen Vorteilen und Nachteilen, seinen Regelungen und Vereinbarungen die man eingeht. Gleichzeitig wollte ich wissen, wie viel Guthaben und staatliche Förderungen ich zum Renteneintritt erhalten habe und wie viel Rente ich daraus erhalten werde. Ich habe mir nur Riester Verträge angesehen, die in Investmentfonds investieren. Ich muss hierzu noch erwähnen, dass es keine Versicherungsprodukte waren, die wiederum in Fonds investieren, sondern nur Fondsgesellschaften, die den Riester als Altersvorsorgeprodukt anbieten. Versicherungen mit dem Investmentgedanken bzw. dem klassischen Zins fallen bei mir aufgrund der noch höheren Kosten sofort durch.

 

Noch kurz zu meinen Berechnungsgrundlagen. Ich habe als Zeitraum eine Ansparphase von 38 Jahren veranschlagt, ein Jahresbrutto von 50.000,- Euro, keine Kinder, volle Zulage und eine jährliche Performance von 5 Prozent unterstellt. Diese Rendite ist für mich das Mindeste was ein Aktienfonds über die vorgegebene Laufzeit und einer guten Weltwirtschaft vorausgesetzt erwirtschaften sollte. Einen Freistellungsauftrag muss ich während der Laufzeit nicht berücksichtigen, da die Erträge nicht zu versteuern sind. Die Renten müssen ab Renteneintritt mit dem dann gültigen persönlichem Einkommenssteuersatz versteuert werden (den ich jetzt aber nicht weiß). Die jährliche Steuerersparnis aus dem Vertrag habe ich ebenfalls wieder angelegt. Diese habe ich in einen ETF in Aktien mit monatlich 50 Euro veranschlagt. Die Performance ist die gleiche und einen Freistellungsauftrag von 801,- Euro habe ich berücksichtigt.

Ich musste um den Riester bewerten zu können natürlich eine Gegenrechnung machen. Ich habe dies mit einem ETF in Aktien gemacht. Dort habe ich, um es fair zu gestalten, eine monatliche Sparrate von 175,- Euro angesetzt. Diese ergibt sich, indem ich den max. förderfähigen Betrag auf das Monat herunterbreche (2.100,- Euro p.a.: 12). Gleichzeitig habe ich eine Thesaurierung von 2 Prozent p.a. unterstellt. Die Wiederanlage der Erträge geschieht beim Riester ebenfalls. Die Laufzeit der Anlage beläuft sich auf 38 Jahre und die jährliche Performance beträgt bei meinem ETF in Aktien auch 5 Prozent. Die Freistellung in Höhe von 801,- Euro habe ich natürlich ebenfalls berücksichtigt. Einen Steuervorteil kann ich hier nicht mit einfließen lassen, da es keinen gibt.

Das Ergebnis, das muss ich gestehen, hat mich nicht überrascht. Der ETF schlägt den Riester was das Endkapital angeht um ca 93.000,- EUR am Ende der Laufzeit von 38 Jahren.

Ich habe nun noch den Steuervorteil aus dem Riester monatlich reinvestiert. Nur anhand dessen, kann der Riester annähernd die schlechtere Performance von 93.000,- EUR eindämmen. Das Ergebnis aus der Reinvestition beträgt ca. 86.000,- EUR. Somit ist trotz der Reinvestition der Steuervorteile das Ergebnis im Verhältnis zum reinen ETF ohne Zulagen und Steuervorteil immer noch leicht negativ. In Zahlen ausgedrückt sind es ca. 7.000,- EUR.

Es gibt keine Pauschalaussagen, ob die Riester Rente sinnvoll ist

Zugegeben, dieses Beispiel habe ich nur für meine Bedürfnisse gerechnet. Dies bedeutet, dass ich keine Kinderzulage mit einfließen habe lassen. Ich wage mich aber soweit aus dem Fenster zu legen, dass die Kinderzulage und der Steuervorteil sich über den Zeitraum des Bezuges von Kindergeld die Waage halten und sich somit gegenseitig aufheben. Auch noch anmerken möchte ich, dass dieses Beispiel für Einzahler gilt, die den max. förderfähigen Betrag auch einzahlen können. Es gibt Situationen im Leben, da kann man sich dies nicht leisten, da man andere Sachen im Leben hat die gerade einem wichtiger erscheinen.

Warum ist das so, dass der reine Riester Vertrag ohne die Reinvestition der Steuer so weit vom ETF entfernt ist?

Die liegt meiner Meinung nach an 2 Punkten. Der erste sind für mich die Gebühren des Investments. Diese sind je nach Fonds der Gesellschaft um einiges höher als ein reiner ETF. So hat der Aktienfonds in den du bei einem Riester investierst in der Regel einen Ausgabeaufschlag von 5% und eine Verwaltungsvergütung von über 1% p.a. .

Eine weiterer für mich viel entscheidenderer Punkt ist die Garantie die eine Gesellschaft gewährleisten muss. Der Riester ist mit all seinen Einzahlungen und Zulagen gesichert. Dies bedeutet, dass du am Laufzeitende kein Risiko für dein Kapital haben wirst. Des weiteren muss dir die ausgebende Gesellschaft einen Rentengarantiezeit bis zu einem gewissen Alter garantieren. All dies sind Performancekiller! Ist die Riester Rente sinnvoll? Es kommt drauf an 😉

Der Riester ist in seiner Form weniger flexibel als er beworben wird. Im Falle des Todes des „Versicherten“ kann er den Riester nur unschädlich an seinen Ehepartner vererben und das mit der Voraussetzung, dass dieser auch einen Riester Vertrag hat. Tritt der Tod in der Rentenzahlung ein und der überlebende Partner hat keinen Riester (Annahme ist, dass der Partner auch bereits in Rente ist), dann gehen das angesparte Guthaben, Zulagen und alle Steuervorteile verloren. Falls der verstorbene seinen Riester an seine Kinder vererben will, dann gehen alle Zulagen und Steuervorteile sofort verloren und er erbt „lediglich“ das angesparte Vermögen. Dies ist nur ein kleiner Auszug aus den verschiedensten Lebenssituationen.

Bei einem Sparvertrag, egal ob Bank oder Fonds, kann ich selbst bestimmen wer was bekommt und muss keine zusätzlichen Punkte beachten.

Ein weiterer Punkt stört mich bei dem Riester gewaltig, was sich eben auch in dem Rechenbeispiel durch die fehlende Performance zeigt. Der Riester wird häufig mit dem Argument der 100%igen Sicherheit beworben, da deine Einzahlungen und Zulagen nicht verloren gehen können und du dein eingezahltes Guthaben im worst case wiedererhältst. Doch diese Garantie kostet eben. Diese Kosten werden bei der fehlenden Performance ganz klar aufgezeigt.

Ich stelle mal die waghalsige These auf, dass du gar keine Garantie brauchst!

Bei einer monatlichen Sparrate in einen globalen ETF und einer Laufzeit von über 15 Jahren, wirst du keinen Verlust machen! Daran glaube ich. Ich glaube an die langfristig funktionierende Weltwirtschaft und an ein langfristiges Wachstum der Aktienmärkte.

All das oben beschriebene zeigt mir auf, dass ich persönlich meine Altersvorsoge nicht in einen Riester packen werde und auch nicht machen möchte. Ich investiere lieber mein Geld in einen ETF, unterbewertete Unternehmen und Immobilien und habe dabei die volle Kontrolle über mein Geld.

Dies soll hier nur meine Meinung widerspiegeln. Falls du anderer Meinung bist, dann schreibe mir doch eine Mail oder hinterlasse hier einen Kommentar. Ich persönlich würde mich sehr freuen.

Die Berechnung des ETF könnt ihr hier sehen. Leider konnte ich keine unabhängige Berechnung zu einem Riester finden. Ich musste mir dort über einen Anbieter eine anfertigen lassen. Bitte schaut doch in eure Verträge rein, bzw. lasst euch Angebote zukommen und vergleicht diese mit eurer eigenen Berechnung.

Der Beitrag wurde von Stephan geschrieben, der gerade seinen Riester Vertrag überprüft, da er jetzt in die Selbständigkeit wechselt. Ist die Riester Rente sinnvoll? Ich würde sagen: Es kommt drauf an 😉

  • cr89 sagt:

    Sehr gut beschrieben. Ich habe leider bis Ende diesem Jahr auch noch eine RiesterRente, welche ich aber auch stillgelegt habe.

    Bei deiner Berechnung hast du aber die RiesterRenten Zulage vergessen. Du bezahlst im Jahr die 2100,00 € (abzgl. der Zulage; sprich derzeit 184,00 €). Somit bezahlst du „nur“ 1916,00 € im Jahr.

    • Vielen Dank für den Hinweis – werde ich überarbeiten. Still legen ist auch meine favorisierte Lösung – ansonsten gehen die Steuervorteile und Zulagen flöten 😉

    • Vielen Dank für deine Nachricht

      Die Riesterzulage in Höhe von 175€ habe ich in meinen Berechnungen berücksichtigt. Der zu zahlende sparbetrag beträgt dann „nur“ noch 160,42€. Das habe ich in der Riester Rente als auchbin der Alternative berücksichtigt.

      Oder hast du eine andere Ergänzung gemeint?

      Gruß Flo

  • Pierre sagt:

    Ein guter Beitrag zu diesem Thema Riesterente. Ich hatte damals einen Riestervertrag direkt nachdem ich 18 wurde. Nach ca 3 Monaten hatte ich den Vertrag gekündigt. Irgendwie fühlte ich mich nicht wohl dabei. Große eine Ahnung hatte ich davon nicht.

    Nun kann ich sagen, Riester lohnt sich eher für Erziehungsberechtigte. Meist sind es Frauen. Durch die Zulagen pro Kind, drückt es den Zahlbeitrag extrem herunter.

    Man kann nicht sagen das Riester schlecht ist. Wie in dem Beitrag kann man sagen. Es kommt drauf an. Da stimme ich zu.

    Viele Grüße
    Pierre

  • Pierre sagt:

    Hey Flo, das mit der Riester ist schon 13 Jahre her und ich wage zu behaupten, dass es eine Fondsgebunde war. Daher kann man dies nicht wirklich werten.

    Grüße
    Pierre

  • Daniel sagt:

    Hi,

    eine schöne Auflistung, leider unterliegt sie meines Erachtens der üblichen Entweder/Oder Einstellung. Es ist glaube ich keine große Kunst herauszufinden dass ein ETF mit einem Bruchteil der TER, fehlender Provision etc. und ohne Garantie wesentlich besser abschließen wird.

    Vergessen darf man aber nicht, dass das angelegte Geld erstmal „Hartz4“ sicher ist, noch. Auch hier ist die staatliche Willkür omnipräsent. (siehe Anrechung auf Grundsicherung). Aber es steht nunmal im Raum.

    Riester sollte für einen Gutverdiener ein paralleler Baustein sein, auch hier sollte Diversifikation vor All-In Investments stehen. Ich bin mir sicher, dass man Riester zukünftig retten wird, der Druck wird wohl zu hoch. Ich denke wenn wir in 5 Jahren von Riester reden, dann sind hier wohl auch mehr ETF basierte Konstrukte vertreten. Ich habe ja auch immer noch die Hoffnung dass die Garantie zukünftig vom Sparer selbst bestimmt werden darf.

    Mitnehmen würde ich Riester auf jeden Fall wenn die Förderquote mit sehr geringem Eigenanteil gegeben ist. Z.B. viele Kinder, wenig Einkommen.

    Ein Risiko-Invest mit einer Garantie-Anlage zu vergleichen ist leider ein Äpfel mit Birnen vergleich. Hier wäre wahrscheinlich eine 80% Anleihen ETF (Staatsanleihen)/ 20% Aktien-ETF Konstellation besser als Vergleich.

    • Hi Daniel,
      Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar. Ich bin ganz Deiner Meinung: Absicherung und Management kosten Geld – da kann der Riester nur verlieren. Ich frage mich: warum sehen das dann so viele nicht?
      Deine Variante (viele Kinder, geringes Einkommen) ist die „Beste“. Ich denke, genau für diese Zielgruppe wurde es auch gemacht 😉 Ausnahmsweise mal was brauchbares unserer Regierung (wobei ich nur noch ETF-Varianten ohne Absicherung zulassen würde).
      Die Mehrverdiener sollten über eigenständigen Vermögensaufbau nachdenken. Fraglich ist nur, ob das auch alle machen…?
      Gruß
      FLO

  • Lina sagt:

    Es gibt mit der Eigenheimrente (Wohnriester) durchaus gute Ansätze, die klassische Rentenversicherung ist meiner Ansicht nach jedoch zu teuer.

  • >