Stagflation: die wenig beachtete Zukunft

Die Welt und alles was wir kennen befindet sich in einem Umbruch. Stagflation ist dabei ein Wort, welches bisher nur wenig Beachtung gefunden hat. Dieser Umbruch geht gefühlt so schnell von statten, wie wir es uns vor einem Jahr nicht hätten denken können. Dieser Umbruch erfasst viele Umfelder, in denen wir uns täglich bewegen. Dies ist im geschäftlichen, im finanziellen aber auch im privaten Umfeld sehr stark erkennbar. Dieser Beitrag ist Teil einer ganzen Reihe von Beiträgen, die sich mit der Geldanlage im Jahr 2021 beschäftigt.

Im geschäftlichen Umfeld nimmt der Trend zum Home Office immer mehr Gestalt an. Zudem wir der Prozess der Digitalisierung und der umweltschonende Prozess voran geschoben und sehr schnell umgesetzt. Im privaten Bereich geht es manchen so, dass aufgrund der aktuellen Themen sich Freundschaften oder sogar Familien entzweien, da andere Meinungen von den Menschen teilweise nicht anerkannt werden und man somit in irgendeine Ecke gedrückt wird.

Das kann bewusst oder unbewusst passieren. Ich wünsche mir, dass sich dieser Trend wieder ändern wird und wir bald wieder gemeinsam an einem Tisch sitzen können und über die Streitigkeiten lachen und darauf anstoßen können.

Stagflation kommt in diesem Jahrzehnt

Im finanziellen Umfeld sehen wir aktuell auch Ereignisse, die so in ihrer Masse auch noch nie da waren. Die Notenbanken weltweit überfluten die Märkte regelrecht mit Geld. Das lässt sich wunderbar an der Geldmenge M1 ablesen. Diese ist im Jahr 2020 um ca. 75% zum Vorjahr angestiegen!

Ein aus meiner Sicht ebenfalls atemberaubender Fakt ist, dass im Jahr 2020 ca. 20% der bestehenden Dollar weltweit NEU gedruckt wurde. Das sind Zahlen, die das Ausmaß der Druckorgie wunderbar aufzeigt.

Wie schon oben erwähnt, ist das ein weltweites Phänomen, somit hat sich die EZB dort auch nicht stark zurückgenommen. Sie tut es dem amerikanischen Pendant gleich und druckt Geld wie noch nie in der Geschichte.

Diese Ereignisse lassen die Anleger natürlich sehr nachdenklich und  vielleicht sogar ängstlich werden.  Nach dem Börsencrash im März 2020 und dem anschließenden Sprint der Börsen auf neue Allzeithochs fragen sich viele aktuell zurecht, was sie denn nun mit ihren Ersparnissen machen sollen.

Soll ich Aktien kaufen? Soll ich Immobilien Kaufen? Soll ich Anleihen kaufen? Oder doch eher Edelmetalle?

Das versuche ich nun mit den folgenden Punkten für euch zu erläutern und gehe dort auch ab und an ein wenig tiefer ins Detail.

Ein wichtiges Anliegen habe ich dennoch vorab. Dieses Anliegen heißt Bildung! Ich kann es nicht häufig genug erwähnen. Es sind nicht die Börsen, die Medien oder irgendwelche Gurus die uns Rendite bringen. Es bist IMMER DU! De Schwankungen an den Börsen sind nur das Risiko, dass du bereit bist einzugehen und das du aufgrund deiner Bildung auch bereit bist zu investieren.

Ich möchte in diesem Sinne einen Spruch von Herr Dr. Markus Elsässer zitieren, der das Risiko an der Börse folgendermaßen beschreibt: „Das Risiko an der Börse ist immer das, dass dich morgens im Spiegel ansieht.“

Soll heißen, dass Börsen nicht gut oder schlecht sind. Börsen sind einfach Marktplätze an denen Preise von A nach B geworfen werden und du entscheidest, was du mit diesen Preisen anfängst. Lerne zu unterscheiden, was Preise und was Werte sind. Dann wirst du erfolgreich werden!

Wie kann eine sichere Geldanlage im Jahr 2021 und der Gefahr der Stagflation aussehen?

Zuerst möchte ist es wichtig, den aktuellen Status Quo zu kennen, um dies beantworten zu können. Ich versuche nun mit ein paar Themen diesen festzulegen:

Wandel der Arbeit:

Vielleicht kennst du Menschen, die aktuell Ende 50 sind und bei großen Konzernen arbeiten. Viele von diesen bekommen aufgrund der aktuellen Situation ein Angebot unterbreitet. Dieses Angebot sieht vor, dass sie mit einer Einmalzahlung aus dem Berufsleben ausscheiden sollen. Bedeutet also, man möchte als Konzern diese Mitarbeiter nicht mehr über die nächsten Jahre beschäftigen und sie werden somit rationalisiert.

Die meisten dieser Arbeitsplätze werden auch nicht neu besetzt. Entweder sind die Abteilungen in denen sie arbeiten für die Zukunft nicht mehr rentabel, oder aber die Positionen werden künftig noch stärker in den Digitalisierungsprozess integriert. Damit spart man sich langfristig als Konzern bares Geld.

Gleichzeitig ist es so, dass bei jungen Menschen der Drang zum Home Office immer stärker zunimmt. Zudem bieten nun auch viele Unternehmen das Home Office als sinnvolle Alternative freiwillig an. Somit kann der junge Mensch langfristig von überall auf der Welt arbeiten, solange er einen Zugang zum Internet hat.

Zudem ist es so, dass viele Unternehmen leider früher oder später ihren Betrieb aufgrund der Maßnahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit beenden werden. Diese Personen werden auch wieder in Lohn und Brot über gehen.

Das kann allerdings eine gewisse Zeit dauern, bis entweder wieder eingestellt wird oder aber Umschulungen stattgefunden haben, damit sie der gesuchten Position auch gerecht werden. Somit kann das eine länger anhaltende strukturelle hohe Arbeitslosigkeit mit sich bringen.

Durch diesen Wandel werden viele Konzerne „gezwungen“ alles auf den Prüfstand zu stellen und neue Prozesse zu integrieren. Leider versucht der Staat dort auch immer wieder seine Finger im Spiel zu haben und mit Zwang oder einer übermäßigen Bürokratie viele Sachen unter eine Art Kontrolle zu bringen, was das Wachstum negativ beeinflussen kann.

Zudem können immer höhere Steuern auf Unternehmen zukommen, um den Wandel beschleunigt voran zu treiben. Der Staat ist aber nun mal der schlechteste Kaufmann und überall wo der Staat zu viel seine Finger im Spiel hat, wird der freie Markt eingeschränkt agieren und somit weniger Wachstum generieren können.

Aufgrund dessen kann es sein, dass die Unternehmen während dieses Umbruches auch weniger Gewinne in der Masse einfahren werden. Das wird durch den staatlichen Eingriff leider nicht besser, sondern verlangsamt das Wachstum. Somit sehe ich für die nächsten Jahre eher eine Stagnation in der breiten Masse der Konzerne.

Höhe der Schulden gepaart mit Demografie, die Stagflation kommt

Viele Sprechen immer über die Verschuldung der Welt bzw. der Industrienationen. Aufgrund der aktuell sehr hohen Verschuldung, sprechen auch viele vom „Armageddon“ und das diese Schuldenblase platzen muss. Mir ist das persönlich zu leicht formuliert und deshalb möchte ich die Thematik der Schulden um die Demografie der Industriestaaten ergänzen.

Grundsätzlich ist es so, dass der Verschuldung auch ein Wert in irgendeiner Form zugewiesen werden kann. Ob das nun der Straßenbau, ein Gebäude oder aber das Humankapital ist. Jede Verschuldung sollte grundsätzlich mit einem Wert einhergehen. Nun ist aber die berechtigte Frage, wie man die aktuell hohe Verschuldung wieder zurückführen kann? Denn wir haben zweifelsohne eine hohe Verschuldung im Verhältnis zum BIP.

Aus meiner Sicht spielt dort die Demografie eine sehr wichtige Rolle. Die Verschuldung der Staaten kann langfristig nur durch Leistung zurückgeführt werden. Das ist nicht nur bei Staaten so, sondern auch bei jedem einzelnen auf der Welt. Eine Schuld muss durch Leistung getilgt werden.

Nun ist die Sache die, dass aufgrund der Demografie in den Industriestaaten bald viele Steuerzahler wegbrechen werden und somit die zu erzielende Leistung eines Staates geringer wird. Sollte es eine junge Innovative Nation sein, die nur so strotzt vor Energie und Leistungsträgern, so ist die Verschuldung in hohem Maße grundsätzlich auch nicht zwingend gut,

aber die Wahrscheinlichkeit für eine hohe Leistung ist wesentlich höher, als in einem Staat der keine Innovative und junge Gesellschaft hat. Nun kommen wir zum Problem. Wie soll eine Region wie z.B. Europa diesen Schuldenberg der sich im Verhältnis zum BIP etabliert hat zurückzahlen?

Es gibt natürlich Länder in denen die Verschuldung nicht so hoch ist, wie z.B. Deutschland. Aber wir wissen ja, dass es teilweise um unsere Südeuropäischen Nachbarn etwas anders aussieht. Zudem haften wir für die Schulden mit und sitzen also in einem Boot.

Die bequemste Art die Verschuldung real zu minimieren ist eine hohe Inflation. Um dieses Ziel über eine Dekade einigermaßen erfolgreich vorantreiben zu können, benötigen wir z.B. eine Inflation von ca. 7% bei einem geringen nominellen Wachstum von ca. 1,5%.

Dann ist das Thema leider noch nicht ganz vom Tisch, aber es ist ein Schritt getan. Leider wird dies viele Sparer mit voller Wucht erwischen, so das ihr erspartes real viel weniger Wert sein wird. Jeder kann sich selbst ausrechnen, sollten wir eine Inflation von 7% p.a. haben und das über eine Dekade hinweg, was dann noch real von seinem Geld übrig bleibt.

Eine ähnliche Phase der Entschuldung hatten wir schon mal in den 80er Jahren in den USA.

Natürlich werden dem Staat noch weitere Einnahmequellen einfallen, um die Verschuldung zu reduzieren. Das sind dann eben neue Steuern, Vermögensabgaben oder andere komische Sachen. Somit ist es wichtig, seine Bildung auch in diesem Bereich zu erweitern und somit nicht ahnungslos in die Fänge der vollumfänglichen finanziellen Repression zu kommen.

Was kann nun die Geldanlage für 2021 oder die folgenden Jahre sein?

In einer Stagflation gibt es auch klare Gewinner. Diese sind Rohstoffe und Edelmetalle. Diese haben in der letzten Stagflation alles outperformt. Natürlich muss man dort auch Unterscheidungen machen und sich die jeweiligen Anlagegüter genauer ansehen.

Es mehren sich aus meiner Sicht aber die Zeichen, dass wir aufgrund der oben beschriebenen Szenarien, die nur sehr kur angeschnitten wurden, in eine stagflationäre Zeit eintauchen werden. Eine Stagflation ist zudem auch keine schönes Szenario für Notenbanken. Bei einer stagnierenden Wirtschaft müssten sie stimulierend agieren.

In einer inflationären Phase müssten sie restriktiv agieren. Somit beißt sich in dieser Phase die Katze selbst in den Schwanz.

Aufgrund der Verschuldung kommt zudem noch ein Punkt hinzu, der die Stagflation aus meiner Sicht wahrscheinlicher macht. Der Zins! Sollte die Inflation, wo wir bereits erste Anzeichen sehen, sehr stark steigen, so steigen eigentlich auch die Renditen der Staatsanleihen.

Das allerdings wäre für die Wirtschaft bei der hohen Verschuldung eine Katastrophe und somit muss die Notenbank die Zinsen künstlich niedrig halten, was wiederum den negativen Realzins erhöht. Das ist ein weiteres Argument für Rohstoffe und Edelmetalle.

Was ist mit Aktien in einer Stagflation?

Dort ist aus meiner Sicht Vorsicht geboten. Sie sind unbestritten besser als Sparkonten oder Anleihen in einer Phase der Stagflation. Aber, auch in einer Stagflation tendiert der Aktienmarkt eher zu einer seitwärts tendierenden Richtung, die sehr hohe Schwankungen mit sich bringen.

In einer solchen Phase ist eine „buy and hold“ Strategie auf einen ETF wie z.b. den MSCI World auch sehr in Frag zu stellen. Anleger die den Dow Jones Industrial in der letzten Stagflation einmalig im Jahr 1970 gekauft hatten, hatten eine realen Kaufkraftverlust von ca. 70%!

Somit sind die Selektion von Aktien und das Timing des Kaufes ein wenig mehr im Vordergrund zu sehen. Zudem sollte in einer Zeit der Stagflation auch auf die Qualität der Bilanz sehr stark geachtet werden. Gleichzeitig sollte das Wachstum pro Jahr höher sein als die ausgewiesene Inflation, um real einen Zuwachs verzeichnen zu können.

 Wie sieht es mit Immobilien während der Stagflation aus?

Dort kann man grundsätzlich nicht pauschal sagen, ob es gut oder schlecht ist. Auch das wird eher selektiv sein. Zu unterscheiden gilt aufgrund der aktuellen Situation zwischen gewerblichem und privatem Gebrauch. Aufgrund der aktuellen Themen kann ich mir gut vorstellen, dass es für gewerbliche Immobilien eine größere Herausforderung wird als für private Immobilien.

Gleichzeitig sollte bei einer Investition auf die Struktur der Stadt geachtet werden. Sind dort viele innovative Firmen oder ist dort der Abzug der Menschen größer?

Zudem gilt darauf zu achten, wie auch hier wieder der Staat seine Finger im Spiel hat und ob er diese vielleicht sogar noch mehr ausbaut. Ein berühmtes Beispiel ist hier der Mietendeckel in Berlin.

In einer Stagflation gilt es mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass man sich in großem Stile von Anleihen trennen sollte. Zudem kann das unterstützt werden, von den aktuellen Renditen bei Anleihen mit einer guten Bonität. Diese sind in großem Umfang nicht geeignet, um sein Geld real zu erhalten oder sogar zu vermehren.

Einen sehr interessanten Beitrag zu Immobilien hat Mira geschrieben.

Fazit

In dem von mir präferierten Szenario sind als eine gute Geldanlage vor allem die Rohstoffe zu bevorzugen. Sie erweisen sich in einer Stagflation als der perfekte Schutz vor realem Geldverlust. Diese Rohstoffe bzw. Edelmetalle können z.B. Gold, Silber und auch Platin sein.

Zudem ist die Aktienanlage ein weiterer Stein der Geldanlage. Dort ist allerdings entscheidend, wie man investiert. Mit einer „buy and hold“ Strategie wird man mit hoher Wahrscheinlichkeit als realer Verlierer vom Platz gehen.

Es gibt dennoch viele gute Möglichkeiten wie man in dieser Zeit am Aktienmarkt zu agieren hat. Das fängt bei der richtigen Bewertung von Aktien an und hört bei einem immer wieder funktionierenden System auf, um gute Renditen am Aktienmarkt zu erwirtschaften.

Das ist zudem bei maximaler Sicherheit möglich. Bitte beachte dort nochmal das Zitat vom Anfang des Artikels. „Das Risiko ist immer das, was dich in der früh im Spiegel anschaut“. Somit wünsche ich dir, dass du dich in diesem Bereich weiterbildest und diese Strategien erfolgreich umsetzen lernst.

Immobilien sind in dieser Phase ein wenig im Hintergrund, können aber selektiv einigermaßen Chancen bieten. Anleihen sind aus meiner Sicht komplett zu vernachlässigen.

Am schlimmsten ist dennoch Cash über diese Phase dauerhaft zu halten. Ich betone hier DAUERHAFT.

Bilde dich weiter und versuche nicht als Verlierer am Ende dieser Zeit da zu stehen. Nutze die Möglichkeit und setze dein erlerntes um.

Ich wünsche dir viel Erfolg!

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