Value Investing und Inflation

Das heutige Thema wirkt sich direkt auf jede Investmententscheidung aus und muss daher beim Value Investing beachtet werden: Die Inflation. Sogar der Urvater des Value Investings Benjamin Graham fand diesen Aspekt so wichtig, dass er der Inflation in seinem Buch „Intelligent Investieren“ ein komplettes Kapitel gewidmet hat.

Was ist Inflation?

Die europäische Zentralbank (kurz: EZB) ist der Währungshüter der Europäischen Union. Ziel ist es die Inflationsrate jährlich bei ca. 2 % zu halten. Bei der EZB ist Inflation folgendermaßen definiert:

„In einer Marktwirtschaft können sich die Preise für Waren und Dienstleistungen jederzeit ändern – einige Preise steigen, während andere fallen. Erhöhen sich die Güterpreise allgemein, und nicht nur die Preise einzelner Produkte, so spricht man von „Inflation“. Ist dies der Fall, so kann man für einen Euro weniger kaufen oder anders ausgedrückt: Ein Euro ist dann weniger wert als zuvor.“ (Vgl. EZB:

https://www.ecb.europa.eu/ecb/educational/hicp/html/index.de.html)

Das Geld, welches wir im Geldbeutel rumtragen oder welches auf dem Girokonto liegt, verliert nach und nach an Wert. Hier geht es zu den 4 wichtigsten Auswirkungen von Zinserhöhungen.

 

Value Investing & Inflation

 

„Die Inflation ist laut Warren Buffett eine dauerhafte Gefahr. Dauerhaft deshalb, weil sie niemals verschwinden wird. Dabei wirkt sich Inflation wie eine laufende Abgabe aus. Nach Einschätzung Buffetts stellt sich die Frage, wie jeder einzelne damit umgeht, diese Abgabe über die Zeit zu kontrollieren.“ (Vgl. valueinvesting.de:

http://www.valueinvesting.de/chronik/warren-buffett-ueber-notenbankzinsen-oelpreis-und-inflation/)

 

In Zeiten niedriger Inflation wird dieser Aspekt gerne mal vergessen, aber trotzdem ist sie allgegenwärtig. Bereits 2008 sagte Buffett, dass eine „“exploding“ inflation was the biggest risk to the economy.“ (Vgl. cnbc: https://www.cnbc.com/2018/02/12/warren-buffett-explains-how-to-invest-in-stocks-when-inflation-rises.html)

Und wir alle wissen was 2008 passiert ist, mit der Pleite von Lehman Brothers und der darauffolgenden Finanzkrise. 1977 führte Buffett in seinem Shareholder Letter von Berkshire Hathaway aus, dass Inflation die zerstörendste „Steuer“ ist, die auf eine Anlage erhoben werden kann, viel mehr noch als jede Steuer, welche der Staat auferlegt.

Aber warum ist Inflation so gefährlich? Ein kleines Beispiel: Stellt euch vor eines eurer Investments steigt in einem Jahr um 2 %. Liegt die Inflation in diesem Jahr jedoch bei 3 %, dann ist das Ergebnis nicht so berauschend.

Und hier kommt der „Vorteil“ des Value Investings ins Spiel. Value Investoren konzentrieren sich darauf in Unternehmen mit stetigem Cashflow zu investieren. In Zeiten hoher Inflation bekommen Unternehmen mit niedrigem bis gar keinem Cashflow Probleme überhaupt ihre Position zu halten. Denn auch Güter und Dienstleistungen werden teurer und die Unternehmen müssen teurer einkaufen. Das führt dazu, dass Unternehmen mit einem guten Cash-Polster besser durch solche Zeiten kommen also solche mit einem Niedrigeren.

„Our acquisition preferences run toward businesses that generate cash, not those that consume it. As inflation intensifies, more and more companies find that they must spend all funds they generate internally just to maintain their existing physical volume of business.” (Vgl. cnbc: https://www.cnbc.com/2018/02/12/warren-buffett-explains-how-to-invest-in-stocks-when-inflation-rises.html)

Es ist keine Regel, aber oftmals war es so, dass der Kapitalmarkt stagnierte, wenn nicht sogar einbrach, als die Inflation über die 4 % – Marke kletterte.

Deswegen bauen wir die Inflation in unsere Bewertung mit ein. Bei steigender Inflation erhöhen wir dementsprechend die Renditeforderung. Steigt beispielsweise der Umsatz eines Unternehmens um 4 % bei vierprozentiger Inflation, so ist der Umsatz nur aufgrund der Inflation gestiegen, aber nicht deswegen, weil mehr Waren verkauft oder zusätzliche Marktanteile gewonnen wurden. Deshalb ist wichtig die Inflation bei der Bewertung zu berücksichtigen.

(Quelle: godmode-trader.de: https://www.godmode-trader.de/artikel/ist-inflation-schlecht-fuer-aktien,4384054)

Aber Investoren sind nicht die einzigen, die eine Inflation von über 4 % nicht gerne sehen. Viele Zentralbanken (EZB, FED, etc.) verfolgen das Ziel einer knapp zweiprozentigen Inflation. Dass sich eine extreme Geldentwertung keiner wünscht, liegt auf der Hand. Aber das ist nicht der einzige Grund warum dieses Inflationsziel angestrebt wird. Es ist zudem ein Schutz vor Deflation (abnehmendes Preisniveau) und den damit einhergehenden Folgen:

„Fallende Preise könnten dazu führen, dass die Bürger ihre Einkäufe und Firmen ihre Investitionen aufschieben – in der Erwartung, es könnte in Zukunft noch billiger werden. Damit aber bräche die Nachfrage ein, Unternehmen müssten Beschäftigte entlassen, die Wirtschaft geriete in einen Abwärtssog. Als warnendes Beispiel gilt die Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre.“ (Vgl. Augsburger Allgmeine:https://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Wieso-will-die-EZB-eigentlich-die-Inflation-erhoehen-id43861996.html)

Eine Inflationsrate von knapp 2 % wird deswegen als optimal angesehen, da sie einen gewissen Sicherheitspuffer – man könnte fast sagen, eine gewisse Sicherheitsmarge – bietet. Um ihr Inflationsziel zu erreichen, haben die Zentralbanken verschiedene (teilweise auch unterschiedlich wirksame) Mittel zur Hand, wie z.B. den Leitzins.

Schlussendlich ist die Inflation allgegenwärtig. Egal ob hoch oder tief, man sollte bei seinen Investitionsentscheidungen immer zumindest ein Auge darauf werfen.

Abschließend wünschen wir euch wie immer noch einen schönen Tag und viel Spaß und Erfolg beim Investieren! 😉

Eure freundlichen Value Investoren aus der bayrischen Nachbarschaft

 

Andreas und Daniel von Bavarian Value

 

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