Teil 2 der Beitragsserie: Mysterien entzaubern

In meinem ersten Teil zur Beitragsserie für Value Investoren habe ich bereits gesagt, dass meine Methoden für den einen oder anderen sehr ungewöhnlich sein werden. Mit dem heutigen Beitrag will ich mit ein paar Börsenmythen und Legenden aufräumen. Es gibt einige davon. Ich habe mich heute jedoch auf die wichtigsten konzentriert.

Börsenmythos Nummer 1: Die Börse ist ein Ort des Zockens

Um zu verstehen, warum ein Investment in eine Aktie nicht mit dem Kasino verglichen werden kann, müssen wir erst einmal verstehen, was eine Aktie ist. Grob gesagt, erhält ein Aktionär das, was übrig bleibt, wenn alle anderen Verpflichtungen gezahlt wurden. Wenn ein Unternehmen einen Kundenauftrag erhält, müssen zuerst die Materialien, Löhne, Strom, Zinsen und noch andere Dinge gezahlt werden. Was danach noch übrig bleibt (nicht zu vergessen, Vaterstaat will dann auch noch seinen Teil…) gehört den Eigentümern, also den Aktionären. Abhängig davon, wie gut das Management ist, bleiben bei dem einem Unternehmen mehr übrig, andere Unternehmen hingegen zahlen drauf.

Unschwer zu erkennen, tragen die Aktionäre also das meiste Risiko bei einem Unternehmen. Weil der Aktionär der letzte in der „Nahrungskette“ ist und das höchste Risiko tragen muss, erhält er auch den höchsten Gewinnanteil. Am Aktienmarkt wird ständig versucht, diesen Gewinnanteil zu schätzen. Dies ist auch der Grund, warum die Aktienpreise ständig schwanken. Aktionäre sind also einem hohen Risiko und einer hohen Schwankung der Aktienpreise ausgesetzt. Sie erhalten langfristig als Ausgleich dafür jedoch höhere Gewinne im Vergleich zu Anleihen Besitzern und anderen. Dies gilt schon seit hunderten von Jahren. In der Vergangenheit hat es bereits viele Hochs und Tiefs gegeben. Aktionäre hingegen konnten bei einer langfristigen Haltedauer schon immer mit einem satten Plus nach Hause gehen.

Wenn Du tolle Unternehmen zu einem fairen Preis kaufst (Zitat: Warren Buffett) und über einen langen Zeitraum hältst, dann werden diese natürlich in ihrem Wert schwanken. Langfristig gesehen werden sie sich jedoch wunderbar entwickeln. Im Vergleich zum Zocken hat nämlich noch niemand Geld verloren, wenn er einen langen Anlagehorizont verfolgt. Zocker hingegen Gewinnen einen Euro, wenn ein andere diesen gerade verliert. Glücksspiel bringt nichts, erwirtschaftet nichts und erarbeitet nichts. Aus diesem Grund muss es einen Verlierer geben, wenn es einen Gewinner gibt. Bei Aktien ist das anders. Wenn die Aktienpreise steigen verliert kein Aktionär. Weil sie etwas erschaffen. Sie üben Konsumverzicht um die Firmen mit dem nötigen Kapital zu versorgen. Die Firmen wiederrum sind voll im Wertschöpfungsprozess involviert. Aktienpreissteigerungen sind in Summe also Wohlfahrtssteigernd für eine gesamte Volkswirtschaft.

Noch ein weiterer Beweis aus der Statistik: Bei Zockern führt eine längere Verweildauer (statistisch betrachtet) zu höheren Verlusten. Bei Aktionären führt eine längere Verweildauer zu höheren Gewinnen (siehe hierzu auch meinen Beitrag zum Thema Zinseszins).

Börsenmythos Nummer 2: Aktienmarkt Vorhersagen sind für Aktiengewinne entscheidend

Ein weiterer Börsenmythos ist, dass korrekte Aktienmarkt Vorhersagen notwendig sind, um hohen Gewinne an der Börse erzielen zu können. Viele denken, dass Aktien mehr oder weniger immer auf demselben Niveau bleiben. Um also an der Börse erfolgreich zu sein, wollen viele ständig günstig kaufen und teuer verkaufen. Das will natürlich jeder. Dies ist jedoch nur möglich wenn man ein Perfekter Hellseher ist. Die wenigsten können das von sich behaupten (ich schon mal auf gar keinen Fall :)) Die schillerndsten Figuren an der Wall Street sagen ständig die Börsenkurse vorher. Dies machen sie jedoch nur, weil sie von Brokern dafür bezahlt werden. Und die Broker zahlen dafür, da sie bei den ständigen Käufen und Verkäufen der Kunden eine Gebühr erhalten. Es heißt ja nicht umsonst:

Ständiges Hin und Her macht Taschen leer

Ich kann jedoch versichern, der Beste Weg, um an der Börse erfolgreich zu sein ist es, Aktienvorhersagen zu vermeiden. Es ist vielmehr entscheidend, eine eigenständige Meinung zu entwickeln und sein Wissen ständig zu verbessern. Die besten „Finanzgurus“ unserer Zeit, wie z. B. Warren Buffett haben ihre Milliarden mit einer simplen „Buy and Hold“ Strategie verdient.

Eins will ich sagen: Es ist möglich, dass einzelne den Markt oder eine Aktie für einen kurzen Moment richtig voraussagen. Es handelt sich dabei jedoch immer um Glück. Nicht umsonst sind die meisten Aktienvorhersager schlechter als der Durchschnitt. Selbst wenn wir den Gurus Glauben schenken wollen, welcher Guru ist der Richtige? Und liegt er dieses mal wieder richtig? Langfristig gesehen ist es einfach besser investiert zu sein, als ständig zu Kaufen und Verkaufen. Und um kurzfristige Rücksetzer auszunutzen empfehle ich, immer etwas Geld flüssig auf der Seite zu haben. Wenn wir unsere gesamte Energie darauf verwenden, die Marktbewegungen vorherzusagen, dann haben wir keine Kraft für die wichtigen Dinge. Wir müssen auf die plötzlich eintretenden Dinge vorbereitet sein und Unterbewertungen massiv ausnutzen. Wir müssen den von Benjamin Graham viel zitierten „Mr. Market“ einfach ignorieren und eine eigene Strategie entwickeln um unterbewertete Unternehmen zu erkennen. Und für all diejenigen, die immer noch nicht an den Erfolg mit Aktien glauben: In der Vergangenheit hat sich der Markt überwiegend positiv entwickelt. Große Rücksetzer wie z. B. 1929, 2001 oder die Finanzmarktkrise treten eher selten auf.

Börsenmythos Nummer 3: „Was steigt, muss auch wieder fallen“

Dieser Mythos ist absolut richtig. Jedoch nur in der Naturwissenschaft (Stichwort Schwerkraft). In der Finanzwelt hat diese Aussage keine Bedeutung.Ich möchte dies mit einem Beispiel aus den USA belegen. Der Dow Jones (amerikanischer Aktienindex) hat soeben seine 20.000er Marke durchbrochen. Im Jahr 1930 stand der selbe Index bei ca. 50. Es ist wahrscheinlich, dass er wieder unter die Marke fällt. Es ist jedoch sehr unwahrscheinlich, dass er wieder auf das Niveau von 50 fällt. Heute kann der Dow vielleicht auf 10.000 fallen – 50 wird er jedoch nichtmehr erreichen. Jeder Investor kommt einmal zu dem Punkt, dass eine Aktie schnell steigt um im Anschluss wieder auf das Anfangsniveau zu fallen. Dies sollte jedoch nicht dazu führen, dass man an das schnelle Geld im Bereich Geldanlage und Value Investing glaubt.

Die meisten Anleger wollen ihre Aktien bereits bei kleinen Gewinnen verkaufen. Durch dieses Verhalten bringen sich die Investoren jedoch um die eigene Rendite. Wenn man den Aktien genügend Zeit gibt, dann kann sich etwas wunderbares entwickeln. Ich kann nur jedem dazu raten, tolle Unternehmen langfristig zu halten. Ich nutze bei tollen Unternehmen bereits Rücksetzer von ca. zehn Prozent um meine Positionen weiter auszubauen.

 

Börsenmythos Nummer 4: „Was fällt, muss auch wieder steigen“

Auf diesen Mythos fallen vor allem die Neulinge herein. Natürlich will jeder günstig einkaufen und teuer verkaufen. Aktien fallen und steigen ständig. Manchmal fallen die Bewegungen höher aus, manchmal niedriger. Doch gerade die günstigsten Aktien zu kaufen ist oftmals der größte Fehler, den man machen kann. Ein Beispiel hierzu: Eine Aktie fällt von 40 € auf 10 €. Jetzt denkt jeder, dass die Aktie günstig ist und wieder auf 40 steigen wird. Viele denken es ist wahrscheinlicher, dass die Aktie wieder von 10 € auf 40 € steigt, als das eine andere Aktie von 10 € auf 14 € steigt. Aber oftmals verhält es sich genau gegenteilig. Aus diesem Grund suchen viele Anfänger nach Unternehmen, die gerade ihr „52 Wochen Tief“ erreicht haben. Die wenigsten suchen nach Unternehmen, die gerade ihr Allzeithoch erreicht haben. Suche lieber nach Unternehmen die sich langfristig gut entwickelt haben. Es gibt einige Unternehmen, die sich seit Dekaden super entwickeln. Einige davon können Entwicklungen von über 3.000 Prozent aufweisen. Sicherlich haben auch diese herausragenden Unternehmen Schwächephasen. Der Kurs wird in dieser Zeit sicherlich auch leiden. Aber genau das ist der Zeitpunkt, den man erkennen muss und massiv zuschlagen muss. Ein toller Nebeneffekt spielt sich im Kopf ab. Wenn man auf ein Depot blickt, dass Gewinne von mehreren Tausend Prozent aufweist, dann fühlt man sich einfach gut. Auch das Suchen nach weiteren starken Unternehmen fällt einem viel leichter, wenn man bereits tolle Erfolge vorweisen kann. Ich bin mir sicher, dass jeder in der Lage ist, Unternehmen ausfindig zu machen, die sich toll entwickeln. Es ist jedoch nicht jeder in der Lage, diese Unternehmen über eine sehr lange Zeit zu halten.

Wie finde ich solche Unternehmen?

Value Investing ist ein Handwerk und hat nichts mit Glück oder Zufall zu tun. Es ist ein Mindset, dass man erlernen kann. Jeder Handwerker geht zu Beginn seines Arbeitslebens in eine Lehre. Hier erlernt er die wichtigsten Dinge um seinen Beruf auszuüben. Nach erfolgreicher Gesellenprüfung wendet er das erlernte selbständig  an. Natürlich fehlt im noch die Erfahrung – die wird er jedoch nach und nach bekommen. Dies ist der normale Weg eines jeden Berufes. Warren Buffett hat auch klein angefangen.

Leider denken Investoren (in vielen Fällen handelt es sich nicht um Investoren, sondern um Spekulanten) anders. Sie wollen sofort am ersten Tag, ohne jegliche Erfahrung und Wissen, die erste Millionen erwirtschaften. Sie wollen das schnelle Geld ohne Arbeit. Leider funktioniert das so nicht. Wie in jedem Beruf auch müssen die wichtigsten Dinge Schritt für Schritt erlernt werden.

Jetzt aber die gute Nachricht. Man kann es tatsächlich lernen, das Value Investing. Wenn man jeden Tag seine „Hausaufgaben“ macht und geduldig dran bleibt, dann werden langfristig gesehen super Erfolge auf einen Value Investoren warten. Ein wichtiger Teil der Ausbildung ist die fundamentale Unternehmensanalyse. Jeder Investor sollte die wichtigsten Kennzahlen beherrschen. Und dazu möchte ich auch jeden ermutigen! Man kann Value Investing erlernen, anwenden und davon leben. Auch ich war einmal ganz am Anfang gestanden und wollte ein Königreich sofort erschaffen. Die Bruchlandung hat natürlich nicht lange auf sich warten lassen. Genau an meinem 16ten Geburtstag (ich weiß es noch wie heute) habe ich bei einer Aktie, die ich „empfohlen“ bekommen habe, 1.000 € verloren. Dies ist eine Menge Geld und als junger Bankangestellter war es für mich eine Tragödie. An diesem Tag habe ich mir jedoch geschworen, dass mir so etwas nie wieder passiert! Und ich habe angefangen, mich intensiv mit Aktien und Unternehmen zu befassen. Natürlich war mein Backgroundwissen aus der Bank eine super Hilfe. Heute kann ich davon leben und bin sehr dankbar dafür. Ich habe viel Zeit investiert und bekomme jetzt sehr viel Zeit wieder geschenkt. Ich bin mein eigener Chef! Ich schreibe dies, weil ich Dich motivieren möchte ebenfalls den Weg in Deine finanzielle Unabhängigkeit zu starten. Genau hier auf meiner Homepage. Sauge so viel Wissen auf, wie nur möglich. Und stelle so viele Fragen wie möglich! Dies ist keine Bitte. Es ist eine Aufforderung! Ich freue mich auf Deine Fragen!

…und so geht es im nächsten Beitrag weiter…

Im nächsten Teil meiner Beitragsserie „Murmeltier“ zeige ich die wichtigsten Dinge auf, die Du unbedingt an der Börse vermeiden musst! Also bleib dran.

Mehr Ausbildung für Investoren? Folge uns:

Investorenausbildung auf Facebook

Investorenausbildung auf Twitter

Investorenausbildung auf Youtube

Teile diesen Beitrag:
Click Here to Leave a Comment Below 0 comments